Hohe Straße 6 - ein Ort mit Geschichte

Geschichte des Hauses

  • Das Wohn- und Geschäftshaus geht im Kern bis in das 17. Jahrhundert zurück
  • Der ausgedehnte zugehörige Wirtschaftshof erstreckt sich von der Hohen Straße bis zur nördlichen Stadtmauer
  • Ältester Teil des Hofes ist das Vorderhaus, die Hohe Straße 6
  • In den folgenden Jahren war es der Wohnsitz für fast ausschließlich gutsituierte Familien
  • Das Vorderhaus und die Hofstelle gehörten im Jahr 1825 nachweislich dem Aschersleber Stadtrat und Fabrikbesitzer Bartels und dessen Familie
  • auch im ersten Adressbuch Ascherslebens von 1856 wird Heinrich Bartels als Besitzer aufgeführt
  • Heinrich Bartels war der Besitzer der Zuckerfabrik „Bartels, Schoch & Comp., am Wege nach dem Kreuze 1173a“
  • 1862 wohnte in dem Gebäude Graf v. d. Schulenburg, Lieutenant und Führer der 3. Eskadron des in Aschersleben stationierten königlichen Husarenregiments Nr. 10 („Grüne Husaren“)
  • 1870 wird Rittmeister von Kleist, Chef der 1. Eskadron des 10. Husarenregiments, hier geführt
  • 1874 hatte Oberstabsarzt Emil Böcker vom 10. Husarenregiment hier sein Quartier
  • Am 1. April 1874 zog Dr. med. Gustav Hedler vom Tie in die Hohe Straße 6
  • Bei der Neuordnung und Umbenennung der Straßen und Plätze im Jahr 1875 behielt das Gebäude seine alte Hausnummer 6
  • Im Jahr 1878 wohnten hier lt. Adressbuch neben Familie Bartels noch „Kreis-Gerichtsrath“ Rudolph Riecke, samt Wirtschafterinnen, Hausmädchen und Arbeiterin
  • Nachdem Heinrich Bartels gestorben war, hatte 1880 Kreisgerichtsrat a.D. Wilhelm Henke das Haus übernommen
  • Nach dessen Tod ging das Haus in den Besitz des Sohnes, dem “Oeconom” Joseph Henke über
  • Sein Bruder Reinhold Henke verlegte 1884 seine Praxis in die Hohe Straße 6
  • 1885 erwarb der einflussreiche Seifenfabrikant David Gottlieb Christoph Kuntze das Anwesen
  • Seine Seifenfabrik war in dieser Branche führend in Aschersleben
  • Seine Waren fanden guten Absatz in ganz Mitteldeutschland
  • Viele der Seifen waren mit dem Signet „Kuntze Aschersleben“ gekennzeichnet
  • Er und sein Sohn Emil führten in den folgenden Jahren eine Reihe von Umbauten und Sanierungen an den Gebäuden durch
  • So beantragte David G. Chr. Kuntze unter anderem, im November 1886 den Bau einer zweigeschossigen Niederlage (eine Art Lagergebäude) für seine Fabrik an der Stadtmauer, der Grundstücksgrenze
  • Im Jahr 1887 verstarb David Gottlieb Christoph Kuntze und sein Sohn Emil übernahm die Geschäfte und die Gebäude
  • 1904 stiftete die Seifenfabrikantenfamilie Kuntze einen ansehnlichen Brunnen „Vor dem Hohen Tor“. Die Säule erinnert an ein Stück Rasierseife und hieß eine Zeitlang im Volksmund „Seifenstöpsel“
  • 1909 eröffnete der Sanitätsrat und praktische Arzt Dr. med. Hermann Heynacher seine Praxis in der Hohen Straße 6
  • In den folgenden Jahren waren die Mietwohnungen der Seifenfabrikantenfamilie Kuntze von gutsituierten Mietern belegt, wie zum Beispiel dem Polizeihauptmann Wilhelm Bechereit oder dem Studienrat Heinrich Kühn
  • 1930 verstarb Emil Kuntze und der Seifensieder Franz Goßner übernahm die Räumlichkeiten
  • 1933 eröffnete hier der Zahnarzt Edwin Wichmann eine Zahnpraxis
  • 1935 kam eine Praxis des Praktischen Arztes Dr. med. Gustav Schulze dazu
  • Ab 1939 gehörte das Gebäude „Kuntze´s Erben“
  • Im Adressbuch 1947/48 sind in der Hohen Straße Nr. 6 der Zahnarzt Edwin Wichmann und die Witwe von Paul Sachs, Marta Sachs, nachgewiesen
  • Das letzte 1998 erschienene Adressbuch der Stadt Aschersleben weist Kirsten und Peter Kirsch sowie Heinz Peller als Bewohner in der Hohen Straße Nr. 6 aus

Die Hohe Straße 6 Heute

  • Ab 1999 stand das Gebäude leer
  • Die Sanierung des historisch wertvollen Areals stand jahrelang im Raum
  • Die Auflagen des Denkmalschutzes, aber auch die schlechte Substanz, entstanden durch den langen Leerstand und die Verwitterung, erschwerten in den letzten Jahren alle Sanierungskonzepte
  • 2018 fanden wir einen Weg dieses großzügige Areal zu sanieren
  • Bereits in der Vergangenheit konnten wir am Giebel die Fachwerkwand dank fachgerechter Sanierung erhalten
  • Der vorkragende rückwärtige Fachwerkoberstock gilt als herausragende handwerkliche Leistung, der Giebel zeigt eine reichgegliederte Fachwerkwand mit niedersächsischer Prägung
  • 2018 begannen wir mit den Entkernungsarbeiten
  • Neben der aufwendig rekonstruierten Zierputzfassade wurden vor allem im Gebäudeinneren viele historisch wertvolle Details ausgearbeitet
  • So konnten wir in einigen Zimmern die Sandsteinwände inklusive ihrer dekorativen Bögen wiederherrichten
  • Ebenso gelang uns dies bei den meisten Flügeltüren
  • Im Haus befindet sich eine herrschaftliche Portaltreppe, sie verleiht dem Gebäude eine gewisse Eleganz
  • Sie ist ein Zeichen dafür, dass in diesem Hause einst gutsituierte Aschersleber Familien, wie die des einstigen Stadtrates Bartels oder des Seifenfabrikanten Kunzes, lebten
  • Ein weiteres Indiz für einstige aristokratische Haushalte und eine heutige Rarität ist ein sehr enger Durchgang, der sich im ältesten Teil des Gebäudes hofseitig im Fachwerkgiebel befindet. Es ist ein Gang von nur 70 cm Breite, der zwischen zwei Räumen entlangführte. Höchstwahrscheinlich wurde er als Dienstbotengang genutzt.
  • So konnten die Angestellten unbemerkt in den Räumen dienen.
  • Dass dieser Gang nur von den Bediensteten genutzt wurde erkennt man auch daran, dass die Wände nicht aufwendig mit Sandstein geschmückt wurden.
  • Zu finden sind hier Lehmwände in denen das gebündelte Stroh erkennbar ist.
  • Den Gang und die Lehmwände belassen wir als ein Stück Geschichte im urtypischen Zustand. Auch im Rest des Hauses findet man nach der Sanierung immer wieder Wände in originaler Bruchsteinoptik. Nachdem wir die Bruchsteinwände erhalten und ausarbeiten konnten, verleihen Sie dem Haus etwas Ursprüngliches und Charakteristisches
  • Mit einem sehr straffen Zeitplan sanierten wir das Gebäude in der ersten Jahreshälfte 2019
  • Die Mieterin, die Akademie Überlingen konnte ihre Büroräume im zweigeschossigen Haupthaus im August eröffnen und nutzt diese nun als Bildungsstandort
  • Diese Sanierung war ein erster Schritt unsererseits, der ehemaligen Handelsstraße, der Hohen Straße, wieder Leben einzuhauchen